Roland Lindner

312 Millionen Dollar: Tesla schreibt nun schwarze Zahlen

von befla

Elon Musk ist bekannt dafür, kühne Prognose abzugeben und diese dann zu verfehlen. Diesmal aber kann der Vorstandsvorsitzende des Elektroautoherstellers Tesla behaupten, ein Versprechen gehalten zu haben. In seinem am Mittwoch nach Börsenschluss vorgelegten Quartalsbericht wies Tesla wie von Musk in Aussicht gestellt einen Nettogewinn aus, er betrug 312 Millionen Dollar (umgerechnet 274 Mio Euro). Es war das erste profitable Quartal seit zwei Jahren und erst der dritte Gewinn, seit Tesla an der Börse ist. Anders als in den vorherigen Fällen soll Tesla nun auf Dauer profitabel sein, und auch für das vierte Quartal wird ein Nettogewinn vorhergesagt. Die Börse zeigte sich erfreut, der Aktienkurs stieg im nachbörslichen Handel zeitweise um 12 Prozent auf mehr als 320 Dollar.

Musk sprach in einer Mitteilung von einem „wirklich historischen Quartal“. Vor einem Jahr hatte Tesla noch einen Verlust von 619 Millionen Dollar ausgewiesen. Neben einem Gewinn wies Tesla auch einen positiven Mittelzufluss (Free Cash Flow) aus und konnte sein Liquiditätspolster vergrößern. Der Bestand an liquiden Mitteln war noch bis zum zweiten Quartal rückläufig, und viele Analysten meinten, Tesla werde sich womöglich an den Finanzmärkten weiteres Kapital beschaffen müssen. Der Autohersteller machte im abgelaufenen Quartal auch Fortschritte in der Produktion seines „Model 3“. Im Schnitt fertigte er 4300 Exemplare in der Woche, zum Quartalsende waren es 5300. Tesla hat die Produktionsraten für das Auto viel langsamer erhöht als ursprünglich erhofft. Das Model 3 ist für das Unternehmen von enormer Bedeutung. Es ist deutlich billiger als die vorherigen Premiummodelle und soll Tesla Zugang zum Massenmarkt verschaffen. Bislang ist es nur in Amerika verfügbar, aber wie das Unternehmen mitteilte, soll es Anfang nächsten Jahres auch in Europa ausgeliefert werden. Mit Blick auf Europa zeigte sich Tesla sogar besonders optimistisch. Der Markt für mittelgroße Premiumlimousinen wie das Model 3 sei hier mehr als doppelt so groß wie das vergleichbar Segment in den Vereinigten Staaten.

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Bis Juli dieses Jahres lief die Anschaffung eines Model 3 über Reservierungen, die im Gegenzug für eine nicht verbindliche und voll erstattungsfähige Anzahlung gemacht werden konnten. Seither nimmt Tesla Direktaufträge entgegen. Zwischenzeitlich gab es die Sorge, dass viele dieser Reservierungen storniert worden sein könnten. Tesla hat die Zahl der Nettoreservierungen zum letzten Mal im August vergangenen Jahres auf 455.000 beziffert. Wie das Unternehmen jetzt mitteilte, seien davon „weniger als 20 Prozent“ storniert worden, und es werde erwartet, dass die meisten der verbleibenden Reservierungen in echte Aufträge umgewandelt würden. In Europa und China will Tesla noch vor Ende dieses Jahres beginnen, Aufträge entgegenzunehmen.

Schon vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen hat Tesla unerwartete Unterstützung von einem seiner bisher prominentesten Kritiker bekommen. Andrew Left von Citron Research hat angekündigt, nun erstmals auf einen steigenden Aktienkurs von Tesla zu setzen. Left gehörte bislang zum Lager der „Shortseller“, also der von Musk verachteten Leerverkäufer, die auf einen fallenden Tesla-Kurs setzen. Left begründete seinen plötzlichen Optimismus mit dem „Model 3“, dem jüngsten Modell aus der Produktpalette des Unternehmens, das er als „erwiesenen Hit“ bezeichnete. Zudem hätten sich viele Warnsignale rund um Tesla als nicht erheblich erwiesen, und das Unternehmen habe wenig starke Konkurrenz. Bislang gebe es keine „Tesla-Killer“, auch wenn diese in der Branche oft heraufbeschwört würden.

Tesla hat ein turbulentes Quartal hinter sich: Musk versetzte die Finanzmärkte im August mit seiner Ankündigung, das Unternehmen vielleicht von der Börse nehmen zu wollen, in Aufregung. Er behauptete dabei zunächst, die Finanzierung des Vorhabens sei gesichert, musste aber bald zugeben, keine festen Zusagen gehabt zu haben. Er gab den Plan einige Wochen später auf, aber seine Aussagen brachten ihn ins Visier der Börsenaufsicht SEC, die ihn wegen Wertpapierbetrugs verklagte. Mittlerweile haben beide Seiten geeinigt einen Vergleich geschlossen. Auch Andrew Left hat Musk und Tesla im Zusammenhang mit dem zwischenzeitlich geplanten Börsenrückzug verklagt. An der Klage will er festhalten.

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