Auswärtiges Amt und Corona: Diplomatie mit der Videokamera

von befla

Außenminister Heiko Maas nimmt an einer Videokonferenz mit den Außenministern des Ostseerats teil.
Bild: Imago

Wegen Corona kommen Diplomaten derzeit fast nur noch virtuell zusammen. Anstatt sich ins Flugzeug zu setzen, nimmt Außenminister Maas vor der Kamera Platz. Das verändert den Charakter von Verhandlungen dramatisch.

In der labyrinthischen Zentrale des Auswärtigen Amts hat Heiko Maas seit ein paar Wochen einen zweiten Arbeitsplatz. Der liegt im Erdgeschoss, in einem fensterlosen Tagungsraum, fern von seinem Arbeitszimmer im Ministertrakt, wo Maas üblicherweise am Schreibtisch sitzt oder seine Kollegen aus aller Welt empfängt. Stattdessen blickt der Außenminister jetzt stundenlang auf die Videowand an der Längsseite des Willy-Brandt-Saales, die im drei mal drei Meter großen Format eingelassen ist in die Teakholzvertäfelung und auf der nicht ganz gestochen scharfe Liveübertragungen zu sehen sind – aus anderen Amtsräumen aus anderen Außenministerien in aller Welt.

Johannes Leithäuser

Aus Sorge vor der Verbreitung des Coronavirus hat das gesamte politische Berlin sich in eine Art virtueller Quarantäne zurückgezogen, überall ersetzen Telefonschalten und Videokonferenzen den direkten Austausch von Angesicht zu Angesicht. In der Welt der Diplomatie wirkt dieser Kommunikationsbruch besonders hart – weil es auf diesem Politikfeld vor allem auf das Gespräch ankommt; darauf, einander zuzuhören und sich gegenseitig zu beeinflussen.

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