Patrick Welter

Berichte über Milliarden-Wette: Softbanks Aktienkurs sinkt stark

von befla

Softbank Group, der japanischen Technologie-Investor, hat am Aktienmarkt in Tokio am Wochenbeginn kräftig eingebüßt. Der Aktienkurs gab am Montag im Handelsverlauf um 7 Prozent auf 5890 Yen. Seit Jahresbeginn hatte der Anteilsschein rund 33 Prozent zugelegt.

Patrick Welter

Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

Der Kursrutsch folgt auf Medienberichte, wonach Softbank Group in den vergangenen Monaten mit intensiven Wetten auf die Kurse von amerikanischen Technologie-Unternehmen Buchgewinne in Milliardenhöhe erlangt haben soll. Die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ nannte Softbank den „Nasdaq-Wal“, der in den vergangenen Wochen das Börsenfieber rund um Technologieaktien befeuert habe. Am Sonntag berichtete die Zeitung von noch nicht realisierten Gewinnen Softbanks aus den Finanzwetten in Höhe von etwa 4 Milliarden Dollar.

Finanzgeschäfte wie Softbanks mit derivativen Finanzinstrumenten sind für normale Anleger nicht immer leicht zu durchblicken und können nach Einschätzung von Analysten in Tokio Grund dafür sein, dass die Aktie von Softbank Group so stark verliert. Die Unsicherheit wird erhöht dadurch, dass am vergangenen Donnerstag und Freitag die Kurse amerikanischer Technologiewerte deutlich nachgaben.

100-Milliarden-Fonds

Softbanks Gründer Masayoshi Son hatte im August erklärt, dass das Unternehmen in einem neuen Anlagefonds in Technologie-Standardwerte investiere. Seit Monaten hatte Softbank so Beteiligungen in Höhe von etwa 4 Milliarden Dollar an Unternehmen wie Apple, Microsoft, Netflix oder Tesla aufgebaut.

Diese Käufe hat Softbank nach den Berichten unterstützt mit Call-Optionen auf einzelne Tech-Unternehmen, die den Zukauf der Aktien zum festgelegten Kurs ermöglichen. Mit diesem Wetten auf steigende Kurse soll Softbank nominal im Wert von 30 Milliarden Dollar oder mehr exponiert sein. Mit den Geschäften soll Softbank nicht nur die nicht realisierten Gewinne aufgebaut haben, sondern auch in den vergangenen Wochen den Aufwärtstrend der amerikanischen Technologiewerte beschleunigt haben. Das japanische Unternehmen kommentierte die Berichte nicht.

Für Softbank ist die spekulative Anlage in kurzfristige Aktienkursbewegungen Neuland. Das Konglomerat mit Beteiligung am japanischen Mobiltelefonanbieter Softbank, den chinesischen Internetkaufhaus Alibaba und der britischen Computerchipschmiede ARM hatte in den vergangenen Jahren Furore gemacht mit einem fast 100 Milliarden-Dollar-Fonds, mit dem es Beteiligungen an und Wetten auf den Erfolg von noch nicht börsennotierten Technologie-Unternehmen wie Uber oder We Work einging.

Die rein spekulative Anlage in Optionen bestehender Tech-Unternehmen entwickelt das Geschäftsmodell in eine andere Richtung weiter. Das soll auch innerhalb Softbanks umstritten sein, berichtet die „Financial Times“.

Schon im vergangenen Jahr hatte Softbank mit einer umstrittenen Anlage in das deutsche Fintech-Unternehmen Wirecard den Weg in reine Finanzanlagen gesucht. Der Softbank-Gründer Son hatte mit dem Platzen der Internetblase Anfang des Jahrhunderts Milliarden Dollar an spekulativen Investitionen in junge Internet-Unternehmen verloren.

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