Eckart Lohse

CDU-Vorsitz: Laschet, Merz, Röttgen und die unsichtbaren Zwei

von befla

Ganz zum Schluss tauchte er dann doch auf: der vierte Mann. Gut anderthalb Stunden hatten die drei Bewerber für das Amt des CDU-Vorsitzenden von Berlin aus in einem von der Jungen Union veranstalteten Video-Wettstreit diskutiert. Beim Schlusswort war Armin Laschet als Letzter an der Reihe nach Friedrich Merz und Norbert Röttgen. In dreißig Sekunden sollte jeder Kandidat sagen, warum er der Beste sei als neuer CDU-Vorsitzender. Er wolle dafür kämpfen, dass die CDU die Partei der Mitte bleibe, sagte Laschet. Das wolle er zusammen mit Jens Spahn machen, der in seinem Team sei.

Der Tag des ersten Zusammentreffens der drei Bewerber auf dem Weg zum Parteitag in Stuttgart am 4. Dezember, auf dem der Nachfolger der scheidenden Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer gewählt werden soll, hatte für manchen mit Spahn begonnen. Über eine Umfrage des Instituts Kantar für die Zeitungen der „Funke Mediengruppe“ war berichtet worden. Zu lesen war, dass die Befragten Bundesgesundheitsminister Spahn eher zutrauten, ein guter CDU-Vorsitzender zu werden als den drei tatsächlichen Bewerbern. Aber Spahn will nur Stellvertreter werden. Oder präziser gesagt, weil ja niemand in Spahns Kopf sehen kann: Er hat mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Laschet die Vereinbarung getroffen, für dessen Stellvertreterplatz in der CDU-Führung zu kandidieren, wenn Laschet Vorsitzender wird.

Doch damit genug von Spahn. Laschet, Merz und Röttgen hatten am Samstagabend die Gelegenheit genutzt, sich gemeinsam von der Jungen Union (JU) befragen zu lassen. Die JU macht in den nächsten zwei Wochen eine Mitgliederbefragung, wer der beste Kandidat für den CDU-Vorsitz sei. Das ist für ein Stimmungsbild nicht unwichtig, ändert allerdings nichts daran, dass jeder JU-Delegierte auf dem Parteitag in Stuttgart für sich entscheiden kann, wen er wählt.

Freundlicher und sachlicher Umgang

Die Video-Runde, die in den sozialen Netzwerken und auch im Fernsehen zu verfolgen war, hat die Entscheidung nicht gerade erleichtert. Die Veranstaltung war von der Hemmungslosigkeit des jüngsten TV-Duells der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Trump und Biden so weit entfernt, wie die CDU in den Umfragen von der Tierschutzpartei. Merz, Laschet und Röttgen gingen nicht nur höflich, sondern stellenweise sogar freundlich miteinander um. Durchweg sachlich jedenfalls.

Norbert Röttgen

Norbert Röttgen
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Bild: dpa

Immerhin versuchte Laschet gleich zu Beginn, sein wichtigstes Alleinstellungsmerkmal den beiden anderen gegenüber auszuspielen. Er hat ein wichtiges Regierungsamt inne, während Röttgen Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages ist und nur daran erinnern konnte, dass er einmal Bundesumweltminister war, und Merz nie ein Regierungsamt hatte. Laschet listete also auf, was er im Regierungsalltag alles tue: Die Gesellschaft in der Pandemie zusammenhalten, der durch diese gefährdeten Unternehmen helfen, den Klimawandel durch den Kohleausstieg bekämpfen und die Bürokratie abbauen.

Merz, der zwischen Laschet und Röttgen platziert worden war, bemühte sich, die Entschiedenheit und Klarheit, die ihm zugeschrieben wird, zu verbinden mit Bekenntnissen, die mancher Kritiker bei ihm vermissen mag. Man müsse mit der richtigen Wirtschafts- und Finanzpolitik aus der Corona-Krise herauskommen, sagte er gleich zu Beginn. Das dürfe allerdings nicht gegen die, sondern müsse mit der Ökologie geschehen. „Ich stehe für ökologische Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft.“ Da steckte das Erwartete und das ihm nicht automatisch Zugeschriebene in einem Satz. Merz, der Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Vergangenheit oft genug kritisiert hatte, sagte nun, deren endende Regierungszeit bedeute „keinen Bruch“, sondern ein Übergang in eine neue Zeit. Dann wieder kernige Sätze, wie seine Anhänger sie von ihm erwarten: „Dieses Land ist zu langsam geworden. Wir sind zu träge.“

Röttgen mit offenem Hemd statt Krawatte

Nachdem Merz sich kürzlich skeptisch zu dem Vorhaben der CDU-Spitze geäußert hatte, eine Quote in der Partei einzuführen, um mehr Frauen in die Partei und in Ämter zu bekommen, und gesagt hatte, es müsse doch noch geeignetere Lösungen geben, präsentierte er sich vor der Parteijugend am Samstag mit einem anderen Zungenschlag. „Der Arbeitsmarkt der Zukunft muss digitaler, flexibler und hoffentlich weiblicher werden.“ Röttgen, der im Gegensatz zu seinen beiden Konkurrenten keine Krawatte, sondern offenes Hemd trug, hatte da schon längst gefordert, die CDU müsse „weiblicher, jünger und digitaler werden“.

Kritischer Blick aus dem Hintergrund: Friedrich Merz und Armin Laschet (rechts)

Kritischer Blick aus dem Hintergrund: Friedrich Merz und Armin Laschet (rechts)
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Bild: dpa

Hatte es anfangs leichte Sticheleien Laschets gegen Röttgen gegeben, die sich auf den Nenner bringen lassen, dass man nicht so sehr auf die Defizite, sondern auch auf das Geleistete sehen müsse, so gingen die beiden am Ende noch einmal sehr freundlich miteinander um. Röttgen lobte Laschets Innenminister Herbert Reul ausdrücklich als „Paradebeispiel“ für richtiges Vorgehen gegen die Kriminalität. Laschet dankte mit der Erinnerung daran, wie Röttgen und er zu Beginn ihrer Zeit im Bundestag Büro an Büro gearbeitet hätten.

Scharfe Konturen, die die drei Bewerber um den CDU-Vorsitz deutlich voneinander abgehoben hätten, entstanden an diesem Abend nicht. Die Unterschiede waren nicht grundsätzlicher Natur. Keiner ragte wirklich heraus. Was noch einmal kurz an die Kantar-Umfrage denken ließ. Die hatte nicht nur Spahn bei der Frage nach dem Parteivorsitz am besten abschneiden lassen. Auch hinsichtlich der Kanzlerkandidatur der Union gab es ein deutliches, wenn auch nicht unbekanntes Resultat. Weit vor den CDU-Bewerbern der CDU lag wieder einmal der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Markus Söder.

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