Michael Martens

Corona in Serbien: Die Rebellion der Ärzte

von befla

Am Anfang waren es 350, inzwischen ist die Marke von 3000 nicht mehr fern: So viele serbische Ärzte und Ärztinnen haben den Aufruf „Vereint gegen Covid“ unterschrieben – eine Petition, in der Belgrads Corona-Politik deutlich kritisiert und die Auflösung des für die Koordinierung der Pandemiemaßnahmen zuständigen „Krisenstabs“ gefordert wird. Die Rede ist darin von einer „Katastrophe“ des staatlichen Gesundheitswesens in Serbien, deren Ursachen es im Interesse der Öffentlichkeit auch juristisch aufzuklären gelte. Ziel sei ein Gesundheitswesen, in dem nicht mehr die Politik Vorrang vor den Stimmen von Fachleuten habe.

Michael Martens

Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

Der Ärger der Mediziner speist sich vor allem aus der umfassenden und nach europäischem Maßstab (abgesehen von Belarus) wohl einmaligen Öffnung der serbischen Gesellschaft vor der Parlamentswahl im Juni. Neben Wahlkundgebungen wurden auch Sportveranstaltungen mit Zehntausenden Zuschauern erlaubt und Nachtclubs geöffnet. Die Quittung kam bald darauf in Form eines Hochschnellens der Infektionszahlen. Demonstrationen gegen die Regierung von Staatspräsident Aleksandar Vučić, so verständlich sie waren, heizten das Infektionsgeschehen wohl noch weiter an. In dem Protestbrief ist von einem „Kontrollverlust“ die Rede, zudem von „Verwirrung“ angesichts der offiziell gemeldeten Infektionszahlen.

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