Dax eröffnet im Minus: Deutliche Vorwarnung für Anleger

von befla

Nach dem steilen Rutsch des Dax zurück unter 12.000 Punkte eröffnete der Leitindex am Freitag mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 11.876 Punkten. Lufthansa und Daimler, die am Donnerstag starke Verluste verbuchten, erholten sich leicht.

Die Helaba sprach in ihrem Tagesausblick von einem Rücksetzer mit Vorwarnung. Es dränge sich der Eindruck auf, als würde sich nun die Diskrepanz zwischen den realwirtschaftlichen Daten und dem zuletzt enormen Dax-Aufschwung verringern.

An der Wall Street hatten am Vortag Gewinnmitnahmen nach der vorherigen Erholungsrally den Dow Jones Industrial um fast sieben Prozent und den marktbreiten S&P 500 um nahezu sechs Prozent nach unten gedrückt. Der Dax gab im Feiertagshandel mit rund viereinhalb Prozent nach. Auch die Nasdaq in New York hatte ihre Rekordjagd beendet und fiel stark zurück.

Marktstratege Michael McCarthy von CMC Markets verglich die scharfe Abkühlung mit dem Tempo des vorherigen Euphorieaufbaus und sprach von einem „U-Turn nach V-förmiger Erholung“. Nach dem vorsichtigen Tenor der amerikanischen Notenbank und steigenden Corona-Fallzahlen in den Vereinigten Staaten seien die Anleger wieder in die Defensive geflüchtet. Die Furcht vor einer zweiten Corona-Welle habe den Anlegern die Stimmung verhagelt, hieß es bei der Credit Suisse.

An den Börsen gab es zuletzt eine fulminante Erholungsrally: Bis zum Montag war der Dax in nur elf Tagen ohne größeren Stopp um bis zu fast 19 Prozent auf 12.913 Punkte nach oben gerannt. Damit hatte er sich seinem Rekordhoch aus dem Februar bei 13.795 Punkten auf weniger als sieben Prozent angenähert.

Die Ölpreise haben am Freitagmorgen nach starken Verlusten am Vortag nur noch leicht nachgegeben. Händler verwiesen auf die insgesamt ruhigere Lage an den Finanzmärkten. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete im frühen Handel 38,02 Dollar. Das waren 53 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel in ähnlichem Ausmaß auf 35,76 Dollar.

Weil sich am Donnerstag die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten erheblich eingetrübt hatte, wurde auch der Ölpreis mit nach unten gezogen. Marktbeobachter nannten als Gründe einen pessimistischen Konjunkturausblick der Notenbank Fed und zunehmend ungünstige Infektionszahlen aus den Vereinigten Staaten. Dies schürte die Angst vor einer zweiten Corona-Welle in der größten Volkswirtschaft der Welt.

Zu solchen Nachfragesorgen traten Probleme auf der Angebotsseite hinzu. So sind die Erdölbestände Amerika zuletzt auf ein Rekordhoch gestiegen. Die Daten zeigen, dass die Ölschwemme, die die Preise vor wenigen Wochen extrem belastet hatte, noch lange nicht abgebaut ist. Im April waren die Rohölpreise aufgrund des Zusammentreffens mehrerer Entwicklungen extrem eingebrochen. Seither haben sie sich deutlich erholt.

Die Furcht vor einer zweiten Coronavirus-Welle macht auch den Anlegern an den asiatischen Börsen zum Wochenschluss schwer zu schaffen. Sie fürchten, dass der Erreger die erhoffte wirtschaftliche Erholung durchkreuzen oder sogar neue Ausgangssperren nötig machen könnte. Der Tokioter Nikkei schloss 0,8 Prozent schwächer bei 22.305 Punkten. Auf Wochensicht gab er 2,4 Prozent nach. 

„Angst hat die unangenehme Eigenschaft, sich selbst zu nähren“, konstatierten die Experten des Finanzdienstleisters Mizuho Securities. „Deswegen ist es nicht schwer, eine ’zweite Bärenwelle’ am Markt aus einer ’zweiten Corona-Welle’ abzuleiten.“

In China notierten die Kurse dagegen etwas fester. Die Regierung in Peking bekräftigte zuvor, sie werde ihre Kapitalmarktreformen weiter vorantreiben. Die Coronavirus-Pandemie hat ihren Ursprung in der Volksrepublik, die als erste scharfe Eindämmungsmaßnahmen auf den Weg brachte. „Die Gefahr einer zweiten Welle ist für uns relativ gering, während die Liquiditätsversorgung gut ist“, sagte Liu Hongming, Fondsmanager bei der in Peking ansässigen Vermögensverwaltung Dingxin Huijin. Er wies zudem darauf, dass die Kurse in China nicht so stark gestiegen waren wie an anderen Börsenplätzen.

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