Bastian Benrath

Frauen in Start-ups: Darum bleibt die Gründerwelt männlich

von befla

Franziska Weser ist 29, wohnt in Leipzig und ist gerade dabei, mit einer Freundin ein Start-up zu gründen. Sie sagt: „Anfangs wurde ich bei Gründerstammtischen immer erstmal als Frau wahrgenommen und erst später im Gespräch dann vielleicht als Unternehmerin.“

Das Start-up „Heartucate“, das die beiden Gründerinnen gerade aufbauen, will mithilfe des neuen mobilen Internetstandards 5G virtuelle Modelle etwa von antiken Städten oder entlegenen Orten in Klassenzimmer projizieren. So sollen Lerninhalte für Schüler nicht nur versteh-, sondern auch erlebbar werden – Augmented Reality (AR) nennt sich die Technologie in Fachkreisen. Die Idee ist nicht gerade eine für Hausfrauen. Und dennoch: „Als Frau wurde ich nicht sofort ernstgenommen“, sagt Weser. „Ich musste viel stärker immer wieder sehr gute Arbeitsergebnisse vorweisen, um als gleichwertige Gesprächspartnerin wahrgenommen zu werden.“

Die Erfahrungen der Leipziger Gründerin decken sich frappierend mit einschlägigen Statistiken: Fast 70 Prozent der Start-ups in Deutschland werden von einem rein männlichen Gründerteam geführt. Frauen hingegen gründen nicht so häufig – und wenn, dann zusammen mit Männern. Gerade einmal jedes zehnte Start-up hat ein rein-weibliches Gründerteam.

Investoren benachteiligen Gründerinnen

Der „Female Founders Monitor“, eine Studie des Bundesverbands der deutschen Start-ups und Google, die am Dienstag vorgelegt wurde und aus der diese Zahlen stammen, macht wenig Hoffnung darauf, dass sich daran bald etwas ändert: Der Frauenanteil unter den Gründern in Deutschland stieg im Vergleich zum Vorjahr um gerade einmal 0,6 Prozent.

Kaum ein Start-up wird von nur einer Person allein gegründet; fast immer tut sich ein Team zusammen, um ein Jungunternehmen aufzubauen. Die Studie zeigt, dass gerade rein-weibliche Gründerteams in der Start-up-Szene strukturell benachteiligt werden: Mehr als ein Viertel der rein männlich geführten Jungunternehmen in Deutschland haben bislang mehr als eine Million Euro an Risikokapital von Investoren erhalten. Unter denen mit rein weiblichem Gründerteam kommen nur etwas mehr als 5 Prozent über diese Schwelle.

Zweierlei Maß

Ebenso sagen zwei Drittel der Männer-Teams, dass es ihnen leicht oder zumindest nicht besonders schwer falle, in Netzwerke von Investoren oder etablierten Unternehmen vorzustoßen. Unter Frauen-Teams sagen das nur weniger als die Hälfte.

Unter Investoren werde mit zweierlei Maß gemessen, sagt Alexander Hirschfeld, Forschungschef des Start-up-Bundesverbands: „Frauen werden im Prozess des Pitchens, des Vorstellens ihres Start-ups, anders wahrgenommen: Während Männer, die sich ein bisschen weiter aus dem Fenster lehnen, häufig als mutig oder risikobereit beschrieben werden, wird Frauen in solchen Situationen eher Unerfahrenheit oder Naivität zugeschrieben.“

Herz von Heartucate: Die beiden Gründerinnen Franziska Weser und Anna Kirchberg (beide 28, von links).

Dennoch scheint das Problem nicht nur bei den Männern, sondern auch bei den Frauen zu liegen. „Für mich war es mit Schwierigkeiten verbunden, mich selbst in den Vordergrund zu stellen und mich dabei ernst zu nehmen“, sagt Weser. „Ich glaube, es ist kulturell einfach sehr tief verwurzelt, sich als Frau eher hinter den Mann zu stellen.“

Sie habe es sich erarbeiten müssen, rein sachlich über ihre Gründungsidee zu sprechen und Emotionen außen vor zu lassen. Seitdem sie das gelernt habe, werde sie auch ernstgenommen, sagt die Gründerin. „Wenn wir als Frauen darauf warten, dass die Welt sich ändert und uns die Tür aufhält, dann wird das sehr lange dauern. Es ist an der Zeit, dass Frauen daran glauben, dass ihre Ideen es wert sind, in die Welt getragen zu werden.“

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