Hausach: Armbrust, Schwert und ein Handkuss

Hausach: Armbrust, Schwert und ein Handkuss

von befla

Reichweite der Armbrust ist beeindruckend Allein die Reichweite ist beeindruckend. Meyer schießt zu Demonstrationszwecken einen Bolzen mit abgepolsterter Spitze in die Luft. Er verschwindet fast im blauen Himmel. Bevor die anderen Kinder mit einer kleinen Armbrust – ich darf die größere und schwerere „Erwachsenenvariante“ nehmen – auf die Zielscheibe schießen, bin ich dran. Ich soll einen schwarzen Luftballon treffen. Das Spannen der Armbrust finde ich recht einfach zu bewerkstelligen, das Zielen ist schwieriger. Der Bolzen bohrt sich beim ersten Mal weit über dem Ballon in die Zielcheibe. Beim zweiten Mal ist er zu weit rechts. Ich habe nur noch einen Versuch und werde allmählich nervös. Sollte ich etwa schon bei der ersten Prüfung scheitern? Glücklicherweise zischt Meyer mir zu, ich solle ein wenig mehr nach rechts zielen, dann könnte es gelingen. Und tatsächlich: Mit einem „Peng“ platzt der Ballon. Die zweite Prüfung ist der klassische Schwertkampf. Ich freue mich darauf, eines der tollen Schwerter in der Hand halten zu dürfen. Doch statt einer schicken Waffe bekomme ich einen Gummidolch. Wie soll ich damit gegen den voll gerüsteten Blattmann gewinnen? Doch der ist nett und nachdem er mich ein wenig über den Platz gescheucht hat, lässt er seinen Bauch einen Moment ungeschützt, so dass ich ihn bequem „töten“ kann. Ächzend und stöhnend geht er zu Boden, ich werde zur Siegerin erklärt und habe damit auch die zweite Prüfung bestanden. Ein Heiltrank erweckt den Toten wieder zum Leben, damit sich auch die Kinder an ihm austoben können. Nicht nur für die Prüfungen muss ich antreten, auch als Anschauungsobjekt zitiert der Graf mich mehrere Male herbei. So legt er mir eine Schandgeige, die mittelalterlich Form der Handschellen, an und präsentiert sogar einen Keuschheitsgürtel. Der sei aber nicht mehr als geschichtliche Fiktion, erklärt Clever. „Die arme Dame wäre nach ein paar Tagen ja ganz wund gewesen“, führt er aus. Die letzte Prüfung ist recht einfach, zumindest für mich. Hier darf ich die Dame spielen und dem Grafen huldvoll die Hand zur Begrüßung reichen. Nicht zum Schütteln, sondern für den Handkuss, der so betont Clever, nicht mehr als eine leichte Berührung mit den Lippen darstellt. Und endlich darf ich micg niederknien, werde zum Ritter geschlagen und erhebe mich als „Sir Charles“. Natürlich erhalte ich am Ende, wie die Kinder auch, einen Ritterbrief:                  Charlotte Reinhard In der Sommerserie „Mein Tag als …“ blickt der Schwarzwälder Bote hinter die Kulissen. Die Autoren berichten im Rahmen von Reportagen über interessante Berufe und Tätigkeiten und zeigen über deren Hintergründe auf.

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