Eckart Lohse

Höhenflug der CDU: Das Comeback der Angela Merkel

von befla

Am 15. Mai kamen 160 Kreisvorsitzende der CDU zusammen. Natürlich nicht körperlich im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin, wie sonst bei diesen Treffen, sondern in einer Videokonferenz. Ihre Gesprächspartner waren die Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und hier fängt die Sache an, zu einem Problem für die CDU zu werden.

Die Gesprächsrunde, von der Partei für die Partei organisiert, begann um 10 Uhr. Die Vorsitzende sprach einem Teilnehmer zufolge über „die aktuelle Situation rund um Corona„. Dann durften Fragen an Merkel gerichtet werden, die aus dem Kanzleramt zugeschaltet war. Diese Gelegenheit ließen sich die Kreisvorsitzenden nicht entgehen. „Fast zwei Dutzend“ Fragen seien gestellt worden, wurde berichtet. Bis mittags um 12 Uhr konnte die Regierungschefin gelöchert werden und machte offenbar geduldig mit. Das aber lässt die Frage aufkommen, wer eigentlich derzeit von der CDU-Basis als die Nummer eins angesehen wird. Die Antwort wurde an jenem Freitag im Mai deutlich gegeben: Angela Merkel.

Vom Aufbruch ist nichts mehr übrig

Dabei war alles ganz anders geplant. Als Merkel vor gut zwei Jahren spürte, dass ihr der Rückhalt in der seit April 2000 von ihr geführten Christlich Demokratischen Union verlorenging, holte sie Kramp-Karrenbauer als Generalsekretärin nach Berlin. So begeistert war die Kanzlerin von diesem Schachzug, dass sie die Neue öffentlich als erste Frau auf dem Posten anpries und dabei vergaß, dass sie selbst die erste Generalsekretärin der CDU gewesen war. Kramp-Karrenbauer bekam ein annähernd sozialistisches Ergebnis von den Delegierten, die sie Anfang 2018 zur Generalsekretärin wählten.

Die Partei sehnte damals, nach 18 Jahren unter Merkels Führung und fast 13 Jahren Kanzlerschaft, Erneuerung herbei. Merkel vermied zwar peinlichst, Kramp-Karrenbauer als ihre Favoritin für die eigene Nachfolge an der Parteispitze und im Kanzleramt zu präsentieren. Aber das musste sie auch gar nicht. Die erfahrene Frau aus dem Saarland, die ihr Ministerpräsidentenamt niedergelegt hatte, um Generalsekretärin zu werden, verströmte ganz von allein genug Entschlossenheit, nicht haltzumachen, bevor sie beide Schreibtische Merkels geerbt haben würde.

Angela Merkel am Wahlabend Ende September 2013

Offen wie nie wurde über die Zeit nach Merkel gesprochen. Viele verbanden entsprechende Äußerungen mit Dank an die Vorsitzende, die die CDU nun schon so lange an der Macht hält. Doch die Sehnsucht nach Aufbruch zu neuen Ufern war mit Händen zu greifen. Kramp-Karrenbauer zog durchs Land und ließ die Parteibasis zu Wort kommen. Sie versprach programmatische Erneuerung, machte etwa den Vorschlag, ein Pflichtjahr für junge Menschen einzuführen, und begründete das damit, dass der Wunsch danach an der Basis ständig geäußert werde.

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