Johnson-Berater : Cummings soll Lockdown-Regeln missachtet haben

von befla

Dominic Cummings, Sonderberater von Boris Johnson, im März 2020
Bild: Reuters

Der enge Berater des britischen Premierministers, Dominic Cummings, soll gegen Lockdown-Regeln verstoßen haben, obwohl er Symptome von Covid-19 hatte. Andere Berater mussten in Großbritannien wegen solcher Verstöße ihren Hut nehmen.

Der wichtigste Berater des britischen Premierministers Boris Johnson, Dominic Cummings, soll Medienberichten zufolge gegen die Ausgangsbeschränkungen in dem Land verstoßen haben. Das berichteten der „Guardian“ und der „Daily Mirror“ am Freitagabend. Cummings soll demnach Ende März von London in die rund 430 Kilometer entfernte nordostenglische Grafschaft Durham zu seinen Eltern gefahren sein – zu einem Zeitpunkt, als er selbst Symptome von Covid-19 hatte.

Nur rund eine Woche vorher hatte die Regierung zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie strenge Auflagen für die Bewegungsfreiheit erlassen. Das Reisen war mit Ausnahme von dringenden Gründe nicht erlaubt. Wer Symptome aufweist, muss zudem sieben Tage in Selbstisolation verbringen.

Cummings wurde den Berichten zufolge in Durham von einem Anwohner gesehen und bei der Polizei angezeigt. Die Polizei bestätigte laut „Guardian“, am 31. März eine entsprechende Anzeige erhalten zu haben, ohne jedoch einen Namen zu nennen. Die Besitzer der fraglichen Adresse seien von Beamten angesprochen und an die Ausgangsbeschränkungen und die Regeln zur Selbstisolation erinnert worden, hieß es. Wie die BBC-Reporterin Laura Kuenssberg aus dem Umfeld Cummings erfahren haben will, hatte sich der Regierungsberater mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn für die Selbstisolation in einem separaten Gebäude auf dem Hof seiner Eltern einquartiert.

Ein Regierungssprecher wollte sich zu den Berichten auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht äußern. Die oppositionelle Labour-Partei forderte eine „sehr rasche Erklärung“. Sollten sich die Berichte bestätigen, dürfte es Forderungen nach einem Rücktritt Cummings’ geben. Eine besondere Brisanz erhält das Thema, weil sich der britische Premierminister Boris Johnson mit dem Coronavirus infiziert hatte und Anfang April in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Johnson wurde mehrere Tage an der Regierungsspitze durch Außenminister Dominic Raab vertreten.

Anfang Mai hatte zudem der renommierte Wissenschaftler Neil Ferguson vom Imperial College seinen Posten als Regierungsberater aufgeben müssen, weil er während des Lockdowns Besuch von seiner Freundin erhielt. Auch die oberste medizinische Beraterin der schottischen Regierung, Catherine Calderwood, hatte sich über die eigenen Regeln hinweggesetzt und ihren Hut genommen.

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