Madeleine Brühl

„Kein Grad weiter!“: Fridays for Future kehrt zurück auf die Straße

von befla

An diesem Freitag gehen die Anhänger von Fridays for Future erstmals seit Beginn der Pandemie wieder auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu protestieren. Am vierten Klimastreik unter dem Motto „Kein Grad weiter!“ wollen allein in Deutschland mehr als 350 Ortsgruppen teilnehmen. Zeitgleich gehen in anderen Ländern, in denen Fridays for Future aktiv ist, ebenfalls Klimaaktivisten auf die Straße.

Große Protestzüge durch die Innenstädte, wie es sie im vergangenen Jahr gab, wird es allerdings nicht geben. Stattdessen sind beispielsweise in Regensburg 22 kleine Menschenketten mit Abstand geplant. In Mönchengladbach soll es einen Demonstrationszug und ein sogenanntes „Die-in“ geben, bei dem sich die Teilnehmer auf ein Signal hin plötzlich wie tot auf den Boden legen.

In Berlin werden unter anderem vier verschiedene Fahrraddemonstrationen stattfinden. Geplant sind dort außerdem Mahnwachen oder auch ein Sitzstreik vor dem Brandenburger Tor. Fridays for Future rechnet mit 10.000 Teilnehmern in der Hauptstadt. Auch in Hamburg soll es eine Demonstration geben. Die dortige Sozialbehörde entschied kurzfristig, dass angesichts der Corona-Pandemie statt der geplanten 10.000 Demonstranten nur noch 2000 Menschen teilnehmen dürfen. Die Absage sorgt bei den Hamburger Aktivisten für Unverständnis.

Gemeinsam mit den Ordnungsämtern der jeweiligen Städte haben die Aktivisten seitenlange Hygienekonzepte erarbeitet. „Die Entscheidung, wieder auf die Straße zu gehen, war keine leichte für uns. Wir nehmen die Wissenschaft ernst und das heißt natürlich auch, dass uns die Gesundheit der Menschen wichtig ist und an oberster Stelle steht“, sagte Luisa Neubauer dem F.A.Z.-Podcast für Deutschland. Neubauer ist eine der bekanntesten Aktivisten der Bewegung. Bei den Aktionen müssen die Demonstranten Masken tragen und Abstand halten. Außerdem soll es deutlich mehr Ordner geben, die auf die Einhaltung der Regeln achten. Um große Zusammentreffen zu vermeiden, wurden alle Aktionen dezentral geplant. „Fridays for Future hat sich sehr verändert, das sieht man schon an der Demonstrationsform“, sagt die Aktivistin Leonie Bremer. „Die Corona-Pandemie dominiert in der öffentlichen Aufmerksamkeit, deswegen gehen wir jetzt wieder auf die Straße.“

Aufmerksamkeit zurückholen

Durch Corona sei der Klimawandel in den Medien aus den Blick geraten, glaubt auch Christina Schliesky zu, die sich in einer Gruppe der Bewegung in Hochneukirch bei Mönchengladbach engagiert. „Wir versuchen, das Thema wieder auf die Agenda zu setzen.“ In den vergangenen Monaten habe die Bewegung sehr viel Aufmerksamkeit eingebüßt, sind sich die jungen Frauen einig.

Auch wenn die Proteste am Freitag gezwungenermaßen anders aussehen sollen, bleiben die Forderungen dieselben: Auf ihrer Internetseite fordern die Veranstalter des Klimastreiks, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent zu reduzieren und die Energiegewinnung aus erneuerbaren Quellen auf einen Anteil von mindestens 75 Prozent auszubauen. Eine weitere Forderung ist der Kohleausstieg bis zum Jahr 2030. „Im Oktober erscheint ein Katalog mit spezifischen Maßnahmen, den Fridays for Future zusammen mit Wissenschaftlern erarbeitet hat“, sagt Leonie Bremer. Pünktlich zum EU-Gipfel im Oktober, bei dem über die europäischen Klimaziele als Beitrag zum Pariser Klimaabkommen entschieden werden soll.

Der letzte globale Klimastreik, bei dem die Teilnehmer auf die Straße gingen, fand am 29. November 2019 statt. „Für eine Massenbewegung, die Schulstreiks organisiert, ist eine Pandemie, die weder Massen noch Schulöffnungen ermöglicht, natürlich ein großer Einschnitt“, sagt Neubauer. Während des Lockdowns mussten sich die Fridays for Future-Aktivisten neu strukturieren. Am 24. April 2020 legten einige von ihnen mehrere tausend Schilder auf der Wiese vor dem Reichstag aus, parallel dazu gab es eine Übertragung verschiedener Proteste im Internet, an der unter anderen auch die Schauspielerin Katja Riemann und der EU-Parlamentsabgeordnete Erik Marquart teilnahmen. „Die Politik hat während der Corona-Krise gezeigt, dass sie in Krisen handeln kann und auf die Wissenschaft hört“, sagt Aktivistin Christina Schliesky. „Jetzt geht es darum, das auf die Klimakrise zu übertragen.“

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