Markus Frühauf

Kreditausfälle beunruhigen EZB

von befla

Unter Bankenaufsehern geht die Sorge über Risiken mit Unternehmenskrediten um. Das gilt vor allem für die Vereinigten Staaten, wo sich manche an die Zeit vor der Finanzkrise erinnert fühlen. Auch in Europa sind die Aufseher besorgt. Nun hat der oberste Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB), Andrea Enria, vor wachsenden Kreditausfällen gewarnt.

Er verwies auf den Konjunkturzyklus, der sich am Ende befinde. Zudem würden Banken mit hohen Altbeständen an faulen Krediten weiter hohe Ausfallraten aufweisen. „Wir halten das für besorgniserregend und fordern die Banken auf, dies einzudämmen, indem sie ihre Kreditvergabestandards überdenken und sich stärker mit den angeschlagenen Schuldnern auseinandersetzen“, sagte Enria.

In ihrem jüngsten Finanzstabilitätsbericht führten die EZB-Volkswirte die Risiken einer Neubewertung im Unternehmensbereich als eine der größten Gefahren an. Betroffen seien insbesondere finanzschwache Unternehmen, die das Umfeld extrem niedriger Zinsen für eine höhere Verschuldung genutzt hätten. Schon in dem Bericht hatte die EZB auf die Lockerung der Kreditvergabestandards verwiesen, die sie schon länger beobachtet.

Fortschritte im Abbau  fauler Kredite

Enria würdigte aber die Fortschritte im Abbau fauler Kredite, die europäische Banken seit dem Jahr 2014 gemacht haben. Seither sank der Bestand an ausfallgefährdeten Krediten von fast 1000 Milliarden Euro auf derzeit noch 580 Milliarden Euro.

Der größte Teil entfällt auf südeuropäische, vor allem italienische Banken. Deren Bilanzen weisen zudem auch noch sehr hohe Bestände an italienischen Staatsanleihen auf, deren Wert deutlich sinken dürfte, sollte der Haushaltsstreit mit der EU-Kommission eskalieren.

Die Sorgen um Unternehmensschulden sind indes schon länger vor allem am amerikanischen Markt verbreitet. Vor wenigen Wochen warnte der auf Anleihen spezialisierte Vermögensverwalter Pimco vor den Gefahren. „Wir haben möglicherweise den riskantesten Kreditmarkt aller Zeiten“, sagte Scott Mather, Anlagestratege der Allianz-Tochtergesellschaft. „Es sei wie vor der Finanzkrise“, fügte er mit Blick auf den Anstieg der Unternehmensschulden, der abnehmenden Bonität und den gelockerten Kreditvergabestandards hinzu. 

Der amerikanische Markt für Anleihen finanzschwacher Unternehmen hat ein Volumen von 1,3 Billionen Dollar. Sorge bereitet den Aufsehern, dass davon 85 Prozent auf Investoren außerhalb des Bankensektors entfallen. Die Expertise im Umgang mit Kreditausfällen ist hier weniger verbreitet als in Banken.

Risiken liegen bei Schattenbanken

Darüber hinaus fällt es der Aufsicht schwerer, sich einen Überblick über das Potential zu verschaffen, wenn die meisten Risiken in Schattenbanken wie Hedgefonds schlummern. Diese werden weniger streng überwacht als Banken.

Ende 2018 hatte die frühere Präsidentin der amerikanischen Notenbank, Janet Yellen, die hohe Schuldenlast amerikanischer Unternehmen als besorgniserregend bezeichnet. Deren Verschuldung betrug damals 9,1 Billionen Dollar. Vor der Finanzkrise, im Jahr  2007, waren es noch 4,9 Billionen Dollar.

Der hohe Schuldenstand stellt nach Ansicht von Yellen ein Risiko in einem Abschwung dar, weil die Unternehmensschulden eine Krise verlängern und zu zahlreichen Insolvenzen führen können.

Yellens Aussagen damals waren noch dem Eindruck weiter steigender Zinsen geschuldet, was sich aber inzwischen ins Gegenteil gedreht hat. Ende 2018 vertrat die Fed noch eine Auffassung, die weitere Zinserhöhungen erwarten ließ. Doch davon hat sich der Nachfolger Yellens, Fed-Präsident Jerome Powell, mit Verweis auf die Handelskonflikte und den damit verbundenen Konjunkturrisiken abgewandt. Nun werden am Markt wieder Leitzinssenkungen erwartet. 

Am amerikanischen Markt für Unternehmensanleihen spielen bonitätsschwache Schuldner mit ihren hochverzinsten, aber riskanten Anleihen (High Yield Bonds) eine wichtige Rolle. Diese Titel waren in den vergangenen Jahren unter Investoren sehr beliebt, weil sie attraktive Zinsen boten.

In einer schwächeren Konjunktur rutschen viele Unternehmen in noch schlechtere Bonitätsbereiche und müssen dann höhere Risikoprämien für ihre Anleihen zahlen. Das ist verbunden mit Kursverlusten für die Investoren oder sogar Ausfällen.

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