Lahr: "Nicht immer seiner Aufgabe als Pfarrer nachgekommen"

Lahr: „Nicht immer seiner Aufgabe als Pfarrer nachgekommen“

von befla

Laut Landeskriminalamt beliefen sich Erharts Einnahmen in den Jahren 2013 bis 2017 auf rund 1,4 Millionen Euro. Die Ausgaben, vor allem für Reisen, die Begleichung von Steuerschulden und Zinszahlungen für Kredite sowie Zuwendungen an Privatpersonen, seien ähnlich hoch gewesen. Verdient habe Erhart auf doppeltem Wege: So habe er sich beispielsweise vom Caritasverband die Teilnahme an einem Seminar bezahlen lassen, während er tatsächlich seiner Beratungstätigkeit in einer Kinderklinik in Gelsenkirchen nachgegangen sei. Gleichzeitig habe er fortlaufend sein Gehalt als Pfarrer und Dekan erhalten, wobei, so geht aus den Ermittlungsakten des LKA hervor, er dieser Aufgabe nicht immer nachgekommen sei. So habe sich etwa die Rückfahrt von einer privaten Reise nach Brüssel derart verspätet, dass der Geistliche die Mitarbeiter in der Gemeinde angerufen habe, um die Gottesdienstbesetzung umzuorganisieren.

„Er war nicht zu packen“, erklärte am Rande der Zeugenvernehmung ein ehemaliges Mitglied des Lahrer Caritasvorstands. „Er konnte gut argumentieren, und viele hatten Angst, als Caritasrat hätte er jederzeit Mitarbeiter rausschmeißen können.“ Dem Vorstand seien außerdem die Hände gebunden gewesen, schließlich sei es Aufgabe des Rats, den Vorstand zu kontrollieren und nicht umgekehrt. Erhart nahm in dem Verband eine umstrittene Doppelrolle ein: Er war Vorsitzender des Caritasrats, gleichzeitig mischte er aber im operativen Geschäft mit, er kontrollierte sich also selbst. Zudem hätten konkrete Beweise gefehlt. So habe einmal ein Vorstandsmitglied Erhart wegen einer undurchsichtigen Rechnung zur Rede gestellt. „Der Mann ist in die Wüste geschickt worden“, so das ehemalige Vorstandsmitglied. „Er ist gegangen, aus Sicherheit, denn eine Aufklärung war nicht zu bekommen.“

OrtenauTV abonnieren

Das könnte dich auch interessieren

Hinterlasse einen Kommentar