Lahr: Wer ist dieser Sonderling? - Lahrer Zeitung

Lahr: Wer ist dieser Sonderling? – Lahrer Zeitung

von befla

 Die Erziehung: Adrian hält sich als Kind nicht an Regeln, ist zornig, aufsässig, respektlos, frech und setzt seinen Kopf durch. Seine Eltern tolerieren das Verhalten, sagen Verwandte und Zeugen. „Er hat immer alles bekommen, was er wollte“, bringt es eine Arbeitskollegin der Mutter auf den Punkt. Eine Freundin der Mutter will erkannt haben, dass er verhaltensauffällig war. Den „kleinen Loser“ nennt ihn ein Zeuge.

 Die Freizeit: Zuletzt verbringt Adrian S. fast seine ganze Zeit vor dem PC auf seinem Zimmer. Stundenlang. Er wollte sich ablenken von seiner beständigen Furcht, seine Mutter wolle ihm Böses. Auch brutale Ballerspiele habe er gespielt, sagt der Angeklagte.

 Die Panik: Adrian S. ist von panischer Angst besessen, seine Mutter wolle ihn mit weiblichen Hormonen vergiften. Deshalb verschanzt er sich in seinem Zimmer. Zuletzt, im Haus seines Vaters in Rot, mit geradezu technischer Perfektion. Darüber redet er im Gerichtssaal ausführlich. Er installiert Überwachungskameras, auch seinen PC programmiert er auf Raumkontrolle. Eine Infrarot-Schranke wird eingerichtet, die bei unerwünschten Besuchern anschlägt. Zusätzlich blockiert er die Zimmertüre mit einem Balken, einem Türriegel innen und abgeschlossen ist die Türe ohnehin immer. Er geht kaum nach draußen, nur auf die Toilette wenige Meter nebenan. Selbst K.o.-Tropfen stellt er selbst her, um sich zu schützen. Ein Gutachter wird herauszufinden versuchen, ob Adrian S. an paranoider Schizophrenie leidet.

 Die Finanzen: Adrian sei „von Beruf Sohn“ gewesen, meint ein Zeuge. Er habe immer nur vom Geld anderer gelebt. Der junge Mann selbst beschreibt sich als geizig. Die Mutter unterstützt den Sohn zuverlässig und konstant, zahlt ihm Unterhalt. Auch als er von Lahr zum Vater zieht. Dort wohnt er ebenfalls mietfrei.

 Die Angst: Gleich mehrere Zeugen verweigern am Dienstag vor Gericht, anzugeben, wo sie wohnen. Sie haben Angst, dass der Angeklagte, sollte er verurteilt werden, nach seiner Freilassung Rache an ihnen üben könnte. Das respektiert der Vorsitzende Richter, die Adressen bleiben ungenannt.

Es folgen fünf Prozesstage.

Die angebliche Absicht seiner Mutter, ihn mit weiblichen Hormonen zu vergiften, schilderte der Angeklagte minutiös. Er verstieg sich dabei in die Behauptung, die Mutter habe ärztliche Unterlagen über gesundheitliche Probleme des Sohnes manipulieren lassen. Konkret habe sie ehemalige Kollegen des Ortenau-Klinikums gebeten, angeblich belastende Unterlagen über den Gesundheitszustand ihres Sohnes verschwinden zu lassen. Das sei auch erfolgt, behauptet der junge Mann. Auf diese Behauptung wurde vor Gericht bisher nicht näher eingegangen.

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