„Scham und Selbstmordgedanken“: Michael Cohen nach der Urteilsverkündung:im Dezember 2018 in New York

Michael Cohens Buch über Trump: Die Rache des Pitbulls

von befla

Dass Donald Trump seinen Vorgänger Barack Obama nicht nur nicht schätzt, sondern ihn sogar hasst – diesen Eindruck konnte man schon lange vor der Wahl 2016 bekommen. Schon 2011 versuchte Trump,  Zweifel an Obamas Geburt in den Vereinigten Staaten zu wecken. Als Präsident setzte er alles daran, die Erfolge des ersten schwarzen Amtsinhabers rückgängig zu machen. Aber dass Trump von Obama regelrecht besessen sei, legt jetzt sein ehemaliger persönlicher Anwalt Michael Cohen in seinem Enthüllungsbuch „Disloyal: A Memoir“ (Illoyal: Eine Autobiographie) dar.

In den am Dienstag erscheinenden Memoiren berichtet Cohen, Trump habe einmal einen „Faux-Bama“, einen Obama-Darsteller engagiert, der den ehemaligen Präsidenten in einem Video gespielt habe. Im Stil von Trumps früherer TV-Show „The Apprentice“ habe Trump den Schauspieler dann beschimpft und abgekanzelt.

Derlei peinliche Enthüllungen hatte Cohen angekündigt, nachdem er sich von Trump losgesagt hatte. Der Jurist sitzt zur Zeit eine dreijährige Freiheitsstrafe ab, die er zum Teil seiner jahrelangen Loyalität zum Präsidenten zu verdanken hat. Cohen wurde 2018 wegen seiner Falschaussagen vor dem Kongress, Verstößen gegen die Regeln zur Wahlkampffinanzierung und weiteren Finanzvergehen verurteilt. Zur Zeit darf er seine Strafe zu Hause verbüßen, weil es im Gefängnis in Otisville im Bundesstaat New York eine erhöhte Corona-Ansteckungsgefahr gibt.

„Scham und Selbstmordgedanken“: Michael Cohen nach der Urteilsverkündung:im Dezember 2018 in New York
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Bild: AP

Cohen breitet in seinem Buch genüsslich aus, wie sehr Trump seinen demokratischen Vorgänger hasse. So soll der Präsident gesagt haben, Obama habe nur in Harvard studieren können, weil er „durch die verdammte Affirmative Action“, also dank positiver Diskriminierung einen Studienplatz erhalten habe. Daneben äußerte sich Trump nach Cohens Worten immer wieder allgemein rassistisch. So habe er nicht-weiße Wählerinnen und Wähler unter anderem als „nicht meine Leute“ bezeichnet und gesagt, Schwarze und Latinos seien „zu dumm“, um ihn zu wählen.

Cohen wiederholt in dem Buch auch viele der Anschuldigungen gegen den Präsidenten, die er im Laufe seines Prozesses erhoben hatte. Er beschreibt das Umfeld Trumps als Mafia-ähnlich und reiht sich selbst in eine Gruppe von „bad guys“ ein, die die Probleme des Immobilienunternehmers lösten. Er, Cohen, sei lange so etwas wie Trumps „persönlicher Gangster“ gewesen. Trump wird als Rassist, Betrüger und Lügner charakterisiert.

Der Wahlkämpfer Trump habe, so heißt es im Buch, „offene und verdeckte“ Versuche unternommen, Russland zur Einmischung in die Wahl 2016 zu ermutigen. Die offene Bewunderung, mit der Trump dem russischen Amtskollegen Wladimir Putin begegne, habe allerdings weniger komplizierte Ursachen, als viele Menschen glaubten. Trump bewundere Putin vor allem für dessen Macht und Reichtum – weniger aus politischen Gründen. Es imponiere dem ehemaligen Unternehmer demnach, wie Putin Russland „übernommen“ habe und es seither wie ein Unternehmen führe – ähnlich der Trump Organization, so glaubt Cohen zu wissen.

Ursprünglich habe Trump nur Kontakt zu Putin gesucht, um nach einer Wahl-Niederlage davon zu profitieren. Lange sei er vor allem daran interessiert gewesen, endlich sein Projekt eines Trump Tower in Moskau verwirklichen zu können. Er habe sich bei Putin einschmeicheln und diesem das Penthouse des Projekts gratis anbieten wollen, behauptet Cohen. Dann aber habe Trump begriffen, wie groß der Hass Putins auf Hillary Clinton sei und dass ihm das zum Sieg verhelfen könne. Was wie eine geplante Kooperation ausgesehen habe, sei in Wahrheit nur ein Zusammentreffen ähnlicher Interessen gewesen.

Wie Trump seine Vorwahlgegner bekämpfte

Trump habe aber auch keine Skrupel gehabt, wenn es um eine direkte Einmischung von Russen in die Wahl gegangen sei, so Cohen. Neue Belege darüber, wie weit die Kontaktversuche gingen, bleibt sein Buch allerdings schuldig. Der ehemalige Anwalt beschreibt auch eine Episode, mit der Trump angeblich Ted Cruz, einem seiner Konkurrenten bei der republikanischen Vorwahl 2016, schaden wollte.

Demnach steckte Trump hinter einem Bericht, der über den texanischen Senator im Boulevard-Blatt „National Enquirer“ erschien. Auf einem Foto war laut dem Blatt angeblich Cruz’ Vater neben Lee Harvey Oswald zu sehen – neben dem Mann also, der 1963 Präsident John F. Kennedy erschoss. Solche Schmutzkampagnen seien weit schlimmer gewesen als die vermutete Zusammenarbeit mit Russland, meint Cohen. Auch Marco Rubio, dem Vorwahlkandidaten und Senator aus Florida, habe Trump gemeinsam mit dem „National Enquirer“ gezielt schaden wollen.

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Cohen war Trumps „Fixer”, sein Ausputzer. Er war es, der Schweigegeldzahlungen an Frauen arrangierte, mit denen Trump Affären hatte – und wenn jemand den späteren Präsidenten angriff, bekam er es mit dem „Pitbull“ genannten Cohen zu tun, der jahrelang auch öffentlich gern seine Loyalität zu Trump bekundete. Während seines Prozesses distanzierte sich Cohen von Trump und ruft heute zu dessen Abwahl auf. Er behauptet auch, sich sehr für seine Arbeit für Trump geschämt und mehrfach erwogen zu haben, sich umzubringen.

Im Buch versucht Cohen aber auch, sich selbst als Opfer darzustellen – und zwar nicht nur von Trump und dessen „Mafia-Methoden“, sondern auch als ein Opfer der Strafverfolgung durch die New Yorker Staatsanwaltschaft, der er „Phantasie-Anklagen“ vorwirft. Zum Teil leugnet Cohen dabei auch Vergehen, die er vor Gericht schon gestanden hat. So behauptet er, die Banken nicht belogen zu haben – das war aber einer der Anklagepunkte, derer er sich 2018 schuldig bekannt hat.

Das Weiße Haus wies den Inhalt des Buches zurück. Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany sagte, Cohen sei ein Verbrecher, der alle Glaubwürdigkeit verloren habe. Nun versuche er, aus Lügen über Trump Geld zu machen.

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