Plus 80 Prozent: Wirecard mit weiteren Kurskapriolen

Plus 80 Prozent: Wirecard mit weiteren Kurskapriolen

von befla

Wild hin und her geht es auch am Dienstag für die Aktien von Wirecard . Die Papiere des in seiner Existenz bedrohten Zahlungsabwicklers steuerten mit mehr als 9 Euro zeitweise auf eine neuerliche Verdreifachung des Kurses zu, bevor dieser zuletzt mit 6,29 Euro noch fast 80 Prozent über den Vortagesschluss stieg. Die Anteile des von einem Bilanzskandal erschütterten Unternehmens werden immer mehr zu einem kurzfristigen Spekulationsobjekt. Am vergangenen Freitag hatten sie nur noch gut einen Euro gekostet.

Schon am Montag verdreifachte sich der Kurs zwischenzeitlich – nach zuvor fast 99 Prozent Wertverlust binnen weniger Handelstage. Vor gut zwei Monaten hatten die Aktien noch über 140 Euro gekostet und am Rekordhoch Anfang September 2018 kurz vor dem Dax-Aufstieg waren 199 Euro gezahlt worden.

Nach dem Insolvenzantrag des Konzerns in der Vorwoche stellte sich nun die Nordamerika-Tochter Wirecard North America selbst zum Verkauf und die britische Finanzaufsicht FCA will dem Unternehmen den Fortgang der Geschäfte erlauben. Am Freitag hatte die FCA die örtliche Tochter Wirecard Card Systems stillgelegt und jegliche Transfers von Geldern und Vermögenswerten verboten.

Der Rauswurf von Wirecard aus dem Dax dürfte nach dem Quasi-Totalverlust spätestens im September erfolgen zur nächsten regulären Index-Überprüfung durch die Deutsche Börse. Nicht wenige Marktexperten schütteln darüber den Kopf und fordern den „Fast Exit“, also den schnellen Ausschluss aus dem Leitindex. „Absurd, kein gutes Zeichen für die Aktienkultur hierzulande“, so der Tenor.

Die Deutsche Börse reagierte am Vortag und kündigte eine Überarbeitung ihres Regelwerks für eine Dax-Mitgliedschaft an. Schneller ging der Rauswurf für Wirecard aus dem gesamteuropäischen Stoxx Europe 600 : Ab diesem Dienstag sind sie darin nicht mehr enthalten.

Die heftigen Kurskapriolen der Wirecard-Aktie haben kaum noch fundamentale Gründe, sondern sind vielmehr ein Beleg dafür, dass das Papier auf niedrigem Niveau vor allem von Spekulanten gekauft wird, die auf eine rasche Erholung setzen und dann ebenso schnell wieder Kasse machen.

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