Till Fähnders

Protestbewegung in Thailand: Zehn Forderungen an König Rama X.

von befla

Demonstranten auf dem Sanam-Luang-Platz in Bangkok am Samstagabend, in Sichtweise des Königspalastes
Bild: AFP

In Bangkok demonstrieren Zehntausende und fordern eine Reform der Monarchie. Eine solche demonstrative Herausforderung hat es für Thailands König noch nicht gegeben. Wie wird die politische Führung reagieren?

Die Demonstranten reckten die Hände zum Dreifingergruß, ihrem Erkennungszeichen, das sie dem Film „Die Tribute von Panem“ entnommen haben. Mehrere zehntausend Menschen waren am Samstag und am Sonntag in die Altstadt von Bangkok geströmt. Dort, wo sich in den Zeiten vor der Corona-Pandemie die Touristen tummelten, forderten sie mehr Demokratie. Sie versammelten sich auf dem Gelände einer Universität und dem Sanam-Luang-Platz neben dem Königspalast. Damit widersetzten sie sich auch der Mahnung von Regierungschef Prayuth Chan-ocha, wegen der Ansteckungsgefahr auf die Demonstration zu verzichten. Stattdessen kamen sie zu einer der größten Kundgebungen zusammen, seitdem die Bewegung im Juni an Fahrt gewonnen hat. Zu ihren Forderungen gehörte neben Wahlen und einer neuen Verfassung auch, dass die Macht des Königshauses beschränkt wird. In Thailand, wo Majestätsbeleidigung mit jahrelanger Haft geahndet werden kann, ist das ein Tabubruch.

In den seit Wochen laufenden Protesten wagen sich die überwiegend jungen Demonstranten immer weiter vor. So übergaben sie am Sonntag der Polizei einen Brief an den König mit zehn Vorschlägen für eine Reform der Monarchie. Auf Fotos war die Studentin und Aktivistin Panusaya Sithijirawattanakul zu sehen, die einen Umschlag an einen Vertreter der Sicherheitskräfte überreichte. Dieser versprach, ihn an den Thronrat weiterzugeben, das Beratergremium von König Maha Vajiralongkorn. In dem Brief werden offenbar die zehn Forderungen aufgezählt, die Panusaya vor einigen Wochen schon in einem bisher unerhörten Akt öffentlich auf einer Demonstration vorgetragen hatte. Dazu gehören die Abschaffung der Gesetze gegen Majestätsbeleidigung, eine Kontrolle der königlichen Finanzen und eine Einschränkung der königlichen Macht.

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