Antonia Mannweiler

Regulierung von Fintechs: Der blinde Fleck der Bafin

von befla

Massereiche Sterne, die besonders hell am Sternhimmel leuchten, haben ein kurzes Leben. Nach einem finalen Aufleuchten kollabieren sie und hinterlassen ein schwarzes Loch. Ein Verlauf, wie er auch zu dem einst hellsten Stern am deutschen Fintech-Himmel, dem Zahlungsdienstleister Wirecard passt. Lange galt das Unternehmen als Vorzeige-Finanz-Start-up aus Deutschland, nun ist nur noch Schwärze, wo einst ein guter Ruf war. Wie es sein konnte, dass Wirecard womöglich über Jahre hinweg mit der Manipulation seiner Bilanzen und Erfolgsrechnung durchgekommen ist, damit werden sich Analysten, Politiker und Aufsichtsbehörden noch lange beschäftigen. Doch eine andere Frage drängt in den Vordergrund: Wenn es sogar einem Dax-Konzern wie Wirecard gelingt, die Behörden hinters Licht zu führen, wie steht es dann um die Regulierung der vielen anderen jungen, aufstrebenden Finanz-Start-ups?

Vor drei Jahren hat die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Regulierung des Fintech-Marktes untersucht und kam zumindest zu dem Schluss, dass 31 Prozent aller Fintechs weder einer EU-weiten noch einer nationalen Regulierung unterliegen – einfach gesagt gar nicht reguliert werden. Christina Bannier, Professorin für Banking and Finance an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, sieht ein Problem der Kontrolle von Fintechs darin, dass nur ein kleiner Teil „Fin“, der größere aber „Tech“ sei, weil das Finanzgeschäft letztlich eine untergeordnete Rolle spielt. Auch Sally Sfeir Tait, Chefin des Reg-Techs Regulaition in London, sagt, dass sich viele Fintechs eher als Tech-Unternehmen sähen denn als Finanzinstitute – auch wenn nicht alle gleich seien. Viel wichtiger sind aus Banniers Sicht aber die Dienstleistungen, die die Fintechs anbieten. Die Schwierigkeit bei der Regulierung der jungen Unternehmen liege daher in der Fragestellung, wer eigentlich für sie zuständig sei.

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