Heike Schmoll

Umgang mit Hochschulpakt: „Empörend und schlichtweg inakzeptabel“

von befla

Mit scharfer Kritik hat der Deutsche Hochschulverband (DHV) auf die Praxis der Länder und Hochschulen reagiert, Mittel aus dem Hochschulpakt anzuhäufen, anstatt sie zweckgemäß zur Verbesserung der Studienbedingungen auszugeben. Laut Bundesrechnungshof haben Hochschulen allein bis Ende des Jahres 2018 insgesamt 3,7 Milliarden Euro aus dem Hochschulpakt zum Aufbau zusätzlicher Studienplätze angespart. Auf das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen entfielen mit 1,9 Milliarden Euro sogar mehr als die Hälfte der angehäuften Gelder.

Heike Schmoll

Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

„Dass Länder und Hochschulen dringend benötigte Mittel zur Verbesserung der Studienbedingungen in Milliardenhöhe bunkern, ist daher empörend und schlichtweg inakzeptabel“, sagte der Präsident des DHV, der Bonner Völkerrechtler Bernhard Kempen. Die Betreuungsrelation von Studenten pro Professur verschlechtert sich seit Jahren und liegt inzwischen an deutschen Universitäten und ihnen gleichgestellten Hochschulen im Bundesdurchschnitt bei 65 zu 1, in Nordrhein-Westfalen sogar bei 90 zu 1. Umso unverständlicher sei es, dass Hochschulpaktmittel laut Bundesrechnungshof für fragwürdige Projekte wie Parkhäuser oder Ladestationen für E-Fahrzeuge würden.

Die Verbesserung der Studienbedingungen sei ohne Personalaufwuchs undenkbar, so Kempen. Der quantitative Ausbau müsse qualitativ unterfüttert werden. Das Tenure-Track-Programm von Bund und Ländern, das bis zum Jahr 2032 einen Aufwuchs von 1000 Lebenszeitprofessuren vorsehe, bleibe angesichts konstant hoher Studentenzahlen „nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Unverändert müssten sich viele junge exzellente Wissenschaftler von Befristung zu Befristung hangeln. Hochschulleitungen sollten deshalb Rücklagen aus Hochschulpaktmitteln umgehend in zusätzliches Lehrpersonal investieren. Kempen sagte, beim „Zukunftsvertrag Studium und Lehre“ müsse der Bund Ernst machen und dürfe sich nicht von den Ländern, „die ihre Ausgaben schönrechnen wollen, auf der Nase herumtanzen lassen“.

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