Christoph Hein

Untersuchung im Bilanzskandal: Finanzplatz Singapur zieht Zügel gegen Wirecard an

von befla

Im Fall Wirecard hat sich der Kreis geschlossen: Im Februar vergangenen Jahres hatte die Polizei im strengen Finanzplatz Singapur das Handeln der Deutschen durchleuchtet. „Die Untersuchungen sind umfassend und gehen noch weiter“, erklärte die Notenbank nun, mehr als ein Jahr später. Inzwischen seien auch die Aufsicht für Rechnungswesen und Unternehmen (ACRA) und die Abteilung für Handelsangelegenheiten mit der Affäre befasst, um „andere mögliche Aspekte des Falles unter die Lupe zu nehmen“, wie die Monetary Authority of Singapore (MAS) es ausdrückt. „Finden wir Beweise für kriminelles Handeln oder ernsthafte Vergehen gegen Geldwäschegesetze, werden wir hart durchgreifen“, hieß es bei der Notenbank. Die philippinische Anti-Geldwäschebehörde hat demnach eine Liste von Namen und Firmen vorgelegt, die in internationaler Abstimmung überprüft werden soll.

Christoph Hein

Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

Zeitgleich hat Wirecard in Singapur die MAS darüber informiert, noch prüfen zu müssen, ob sie die Geschäfte nach dem Zusammenbruch des deutschen Mutterhauses fortführen könne. Wirecard zählt in Singapur Firmen und auch Spitzenhotels zu ihren Kunden, für die sie die Abrechnung von Kreditkartenrechnungen übernimmt. Die Notenbank forderte Wirecard am Dienstag auf, die Behörden sofort zu informieren, wenn diese Zahlungsdienstleistungen unterbrochen werden müssten. Mit Nets, SGQR oder Paynow stünden den Kunden Alternativen bereit.

Allerdings betätigte MAS Wirecard, den Anforderungen nach Kontentrennung im Stadtstaat bislang entsprochen zu haben. Derzeit seien die Aktivitäten von Wirecard in Singapur noch nicht durch die Notenbank lizenziert, da es dafür eine Anerkennungsfrist von bis zu einem Jahr gebe. Der südostasiatische Finanzplatz bemüht sich auch angesichts eines enormen Geldzuflusses unter anderem durch die wachsenden Probleme in Hongkong, so sauber wie möglich aufzutreten. Er kam nicht nur durch die Durchsuchung der Räume von Wirecard in 2019, durch die noch weitgehend unklare Zusammenarbeit von Wirecard mit der Singapurer Buchführungsfirma Citadelle Corporate Services, sondern vor allem durch die Rolle seiner Banken im Zusammenhang mit den verschwundenen Milliarden des malaysischen Staatsfonds 1MDB und die Rolle von Goldman Sachs in diesem Zusammenhang unter Druck.


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