Wie bei einem Marathon die Zeit gemessen wird

von befla

Es ist der 14. Oktober 2018, ein warmer und sonniger Tag in München. Im Olympiapark beginnen 21.096 Läufer den München-Marathon. Alle Läufer tragen einen Chip auf der Rückseite ihrer Startnummer und laufen durch denselben Startbogen.

Durch dieses System ist es möglich, dass alle Teilnehmer, die am Ende denselben Bogen mit der Aufschrift „Ziel“ passieren, auch wissen, wie lange sie für die gut 42 Kilometer gebraucht haben. Sekunden nach dem Zieleinlauf können sie im Internet Zeit und Plazierung sehen.

In Pfinztal bei Karlsruhe hat die Race Result AG ihren Sitz. 2009 gründeten Sönke Petersen, Nikias Klohr und Thorsten Vogel das Unternehmen. Im vergangenen Jahr habe man einen Umsatz von 10,3 Millionen Euro erzielt, sagt Vorstand Petersen.

Auch international unterwegs

Das Unternehmen gehört nach eigenen Angaben zu den global führenden Unternehmen für Zeitmesstechnik. Man habe die Branche „ganz schön aufgemischt“, behauptet der Online-Marketingmanager Dennis Meckler. Heute arbeiten in Pfinztal 52 Mitarbeiter, 2017 waren es 35.

Race Result stellt die Soft- und die Hardware für die Zeitmessung und das Teilnehmermanagement von Ausdauersportarten her. Die Systeme werden unter vielen anderen beim Köln Marathon und der großen „Rock’n’Roll“-Marathon-Serie in den Vereinigten Staaten verwendet.

„In Deutschland sind wir Marktführer“, sagt Meckler, „mehr als die Hälfte der Laufveranstaltungen werden mit den Systemen von Race Result ausgeführt.“ Race Result bietet zwei Systeme an: das Passiv- und das Aktivsystem.

Das Aktivsystem ist robuster

Auf der Rückseite der Startnummern befindet sich ein kleiner Transponder, der in Schaumstoff eingefasst ist. Dieser Chip ist so programmiert worden, dass er „weiß“, welche Nummer er durch Start und Ziel begleiten muss. Kommt der Läufer ins Ziel, wird seine Zeit gestoppt und in eine Liste eingetragen.

Dieses Passivsystem wird für Läufe und Radrennen verwendet – wo keine extremen Bedingungen wie Wasser oder hohe Geschwindigkeiten herrschen. Eine Startnummer mit Transponder kostet ab 1,32 Euro netto. Kauft man 5000 Startnummern, beträgt der Preis 1,21 Euro. Eine Rolle mit 1000 Transpondern kostet 990 Euro.

Für andere Veranstaltungen reicht dieses Passivsystem nicht aus. Bei Langstreckentriathlons und Motorsportveranstaltungen bekommt der Sportler einen größeren Transponder, der am Hand- oder Fußgelenk oder am Fahrrad getragen wird. Das Aktivsystem ist robuster und vor allem wasserdicht. Auch ist es leistungsfähiger; der Transponder kann bis zu 250 Stundenkilometern standhalten.

Bodenantenne spart Zeit

Im Gegensatz zum Passivsystem, das ein Einwegprodukt ist, hält ein Aktivsystem-Transponder bis zu fünf Jahre. Auch in der Genauigkeit der Zeitnahme gibt es Unterschiede. „Die Transponder können eine Genauigkeit von 0,2 bis hin zu 0,004 Sekunden haben“, erklärt Meckler. Ein Active-Pro-V2-Transponder kostet 50 Euro und, wenn man 500 Stück kauft, 35 Euro.

Die Transponder allein sind aber ziemlich nutzlos. Zu jedem Sender gehört ein Empfänger – der die Form einer faltbaren Bodenantenne hat. Dieses Zeitmesssystem wandelt die Daten, die der Chip beim Passieren der Antenne sendet, so um, dass der Sportler genau weiß, wie schnell er war und welche Plazierung er hat.

Race Result hat mit der faltbaren Bodenantenne eine Neuerung in die Branche gebracht. Bei großen Veranstaltungen müssen die Straßen oft Stunden vor dem Start gesperrt werden, um die Systeme aufzubauen. Mit der faltbaren Bodenantenne muss das nur eine Person machen, und es dauert nur eine Minute.

Nur für die Straße

Die Bodenantenne mit Decoder kostet rund 4000 Euro. „Für die faltbare Bodenantenne haben wir vor kurzem das Patent erhalten. Das war für uns ein Erfolg, denn drei Unternehmen haben schon versucht, dieses System nachzubauen“, sagt Meckler.

Race Result stellt nur Zeitmessungssysteme für die Straße, nicht für die Leichtathletikbahn her. „Unsere Bodenantenne ist 3 Zentimeter hoch, was die Sprinter beim Zieleinlauf stören würde“, erklärt Meckler. Hinzu komme, dass das Passivsystem mit 0,2 Sekunden nicht genau genug für solche Wettkämpfe sei.

Die Produktion ist komplett digitalisiert. „Wir machen so viel wie möglich selbst. Wir haben eine eigene Elektronikproduktion und montieren alles im Headquarter“, sagt Meckler. Bis auf das Grundgerüst der Zeitmessung sind alle Systeme, die Race Result anbietet, eine Eigenentwicklung.

Trend zum „Live-Tracking“

Eine Bodenantenne muss viel aushalten: viele Schritte, Wasser, Schlamm, Dreck. „Metall ist für uns keine Option, es führt zu Störungen in der Zeitnahme, deswegen sind wir an den Kunststoff gebunden.“

„Die Vereinigten Staaten sind zu einem unserer wichtigsten Märkte geworden“, sagt Meckler. Als nächstes wolle man neue Märkte in Asien und Südamerika ansteuern. Distributoren gibt es in ganz Europa, in Amerika und Australien.

Die Entwicklung geht in Richtung Live-Tracking. Dabei ist es möglich, den Sportler auf der Strecke in Echtzeit zu verfolgen. Das System ist eine Erweiterung in Form einer Box, die mit dem Transponder kommuniziert und so über den Live-Standort informiert. „Wir haben solch ein System schon, das wollen wir auf jeden Fall noch ausbauen.“

Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.

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